Die Nutzung von Google Analytics-Alternativen

Matomo und Piwik Pro: Können diese Webanalyse-Tools überzeugen?

Der weltweit eindeutige Marktführer unter den Webanalyse-Tools ist Google Analytics. Für diesen sprechen unter anderem seine umfangreiche Basisversion und die einfache Handhabung. Jedoch steht der Google-Dienst aufgrund großer Datenschutzbedenken zunehmend in der Kritik. Erst im vergangenen Monat erklärte die österreichische Datenschutzbehörde, dass das Einbinden von Google Analytics auf der eigenen Website nicht den Richtlinien der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) entspricht.

Somit ist es von großer Bedeutung, dass sich Website-Betreiber:innen auch mit potenziellen Alternativen zu Google Analytics auseinandersetzen. Durch die Nutzung anderer Webanalyse-Tools, wie zum Beispiel Matomo und Piwik Pro, könnt ihr europäische Datenschutzrichtlinien auf einfache Weise einhalten und dies wirkt sich auch positiv auf das Vertrauen der Internetuser:innen in eure Website aus. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Immer mehr Personen setzen sich mit dem Schutz ihrer persönlichen Daten auseinander und wollen nicht, dass diese auf Servern sämtlicher US-Techkonzerne langfristig abgespeichert werden.

Im Folgenden haben wir nun für euch zusammengefasst, was Datenschützer:innen genau an Google Analytics kritisieren und stellen euch ebenso Matomo und Piwik Pro vor.

Bedenken bei Google Analytics

Als größter Kritikpunkt von Google Analytics ist definitiv der Speicherort der Analysedaten zu nennen. Dieser kann nämlich von den Benutzer:innen nicht individuell festgelegt werden, wodurch die Daten in der Regel auf US-amerikanischen Servern abgespeichert werden. Damit die IP-Adressen eurer Website-Besucher:innen nicht von Google Analytics gespeichert werden, müsst ihr den Trackingcode selbst anpassen (IP-Anonymisierung), sodass deren automatische Übertragung verhindert werden kann.

Außerdem kritisieren viele IT-Security-Fachleute Googles Art der Datenverknüpfung. Wenn ihr neben Google Analytics auch noch andere Google-Dienste, wie zum Beispiel Google AdSense und AdWords, verwendet, werden diese Daten auf den Servern zusammengeführt. Diese Kombination von Besucherzahlen, Umsatzwerten und Werbedaten kann dazu führen, dass Google ein ziemlich genaues Bild eurer Unternehmenskennzahlen bekommt. Diese Informationen von Websites aus aller Welt werden dann zum Beispiel zur Verbesserung der Personalisierung und des Targetings in GoogleAds genutzt.

Insgesamt sind auch wir der Auffassung, dass Google in seinen eigenen Datenschutzbestimmungen unzureichend darüber aufklärt, welche Daten wie, wo und wie lange abgespeichert werden. Wenn ihr Google Analytics dennoch nutzen möchtet, solltet ihr euch auf jeden Fall um die IP-Anonymisierung kümmern und in Betracht ziehen das Tool auf einem euerer europäischen Servern selbst zu hosten.

Matomo: Die Open Source Variante

Zuerst solltet ihr über Matomo wissen, dass das Tool allen Internetuser:innen frei zur Verfügung steht. Ihr könnt es am eigenen Server installieren, wodurch sichergestellt ist, dass die Tracking-Daten nur von euch verwendet werden. Durch diese Ausschließung von Dritten wird die Formulierung der eigenen Datenschutzerklärung deutlich vereinfacht.

Generell haben wir in der Vergangenheit viele positive Erfahrungen mit der Datenqualität dieser Webanalytik-Plattform sammeln können. Die genauen Matomo-Datenerhebungen ermöglichen eine umfassende Analyse des Nutzungsverhaltens und der Performance der eigenen Website. Es kann sogar der Ablauf eines jeden Website-Besuchs aufgezeichnet werden. Die gesammelten „Bewegungsabläufe“ auf der Website zeigen beispielsweise auf, welche Unterseiten am beliebtesten sind, auf welchen Wegen die höchsten Conversions generiert werden und wo die Absprungraten möglicherweise zu hoch sind. Da Matomo von den meisten Adblockern nicht geblockt oder eingeschränkt wird, könnt ihr mit realistischen Analysedaten rechnen und durch dessen Interpretation wirkungsvolle Verbesserungen an eurer Website vornehmen.

Erwähnenswert ist auch der Matomo-Marktplatz, auf dem ihr sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Plugins erwerben könnt, die den Funktionsumfang des Tools zusätzlich erweitern. Diese Erweiterungsmöglichkeiten kann Google Analytics nicht bieten. Trotz all dieser Vorteile dürfen wir nicht vergessen, dass insbesondere für die Installation von Matomo fundiertes IT-Know-how notwendig ist. Als Website-Betreiber:innen müsst ihr euch beim Self-Hosting um die Wartung des Servers kümmern, das Nutzen einer privaten Cloud ist bei Matomo nicht möglich. Eine Public Cloud als Speicherort zu verwenden, ist zwar möglich, aber aus datenschutzrechtlicher Sicht raten wir davon ab. Darüber hinaus ist die Matomo-Benutzeroberfläche nicht ganz so leicht aufgebaut, wie jene von Google Analytics, wodurch zu Beginn mehr Zeit für die Eingewöhnung der User:innen eingeplant werden muss.

Was kann Piwik Pro?

Auch bei Piwik Pro haben Website-Betreiber:innen die volle Kontrolle über ihre Analysedaten. Bei der Wahl des Hostings könnt ihr euch zwischen einer öffentlichen Cloud, einer privaten Cloud oder dem Self-Hosting (On-Premises) entscheiden.

Im direkten Vergleich mit Google Analytics und Matomo ist Piwik Pro das einzige Tool, das auch über ein Consent Manager-Tool verfügt, und nicht „nur“ über ein Analytics- und ein Tag Manager-Modul. Durch den Consent Manager werden alle Einwilligungen bezüglich des Datentrackings gemäß der DSGVO übersichtlich gesammelt, wodurch zum Beispiel die Beantwortung von Datenschutzanfragen maßgeblich vereinfacht wird.

Eine weiteres, hilfreiches Modul von Piwik Pro ist dessen „Customer Data Platform“. Mithilfe dieses Audience Managers könnt ihr sämtliche First-Party-Daten (zum Beispiel Analytics- und Formulardaten), die euch zur Verfügung stehen, zusammenführen und präzise Zielgruppen erstellen. Diese neu gewonnenen Erkenntnisse über die Zielgruppen können auch in anderen Marketingbereichen genutzt werden. Ebenso überzeugen uns an Piwik Pro die zusätzlichen Datenschutzfunktionen, die im Tag Manager integriert sind. Hierbei kann unter anderem festgelegt werden, welche Tags bei welchen Datenschutzpräferenzen von Website-Besucher:innen ausgelöst werden.

Wenn ihr Piwik Pro nutzen wollt, solltet ihr wissen, dass ihr bei Nutzung der kostenlosen Version, der sogenannten „Piwik Pro Core“, auf einige wichtige Funktionen verzichten müsst, die das Tool eigentlich ausmachen. Dennoch sind die Kosten deutlich geringer als bei Googles Premiumversion Google Analytics 360.

Unser Fazit

Insgesamt betrachtet können wir sagen, dass jedes der drei erwähnten Webanalyse-Tools seine Daseinsberechtigung hat. Abgesehen von seinen Datenschutzmängeln erfüllt Google Analytics die Anforderungen der Durchschnittsnutzer:innen an ein Webanalyse-Tool in einem zufriedenstellenden Ausmaß. Für kleine und mittlere Unternehmen, die viel Wert auf ihr Dateneigentum legen, stellt das kostenlose Matomo eine gelungene Alternative dar. Im Vergleich zu Piwik Pro ist Matomos Funktionsumfang ein wenig geringer, aber gemäß unserer Erfahrung definitiv ausreichend, um die Website-Performance professionell zu analysieren. Darüber hinaus ist die Matomo-Datenqualität gleich gut wie jene des kostenpflichtigen Piwik Pro.

Insgesamt empfehlen wir allen von euch, die auf ihrer Website viele persönliche Daten tracken und abfragen, die Nutzung einer Google Analytics-Alternative. Die Alternativen helfen euch dabei, die Schwachstellen einer jeden Website auf datenschutzfreundliche Weise zu identifizieren.